Collage

In the mimesis of a birth

COLLAGE
In the mimesis of a birth

„In der Mimesis einer Geburt" Teil II

Die erste Fortsetzungsarbeit in der Serie „In der Mimesis einer Geburt" knüpft direkt an seinen Vorgänger an: In der symbolischen Nachempfindung einer Geburt werden alte Strukturen durchbrochen und ein repräsentativer Neuanfang in einer performativen Urgewalt forciert.

Mit ihrem eigenen Körper hatte Teréz Fóthy die Transformation vom Vorher zum Hinterher in einer fotografisch festgehaltenen Performance eines Durchbruchs von „hinter" zu „vor" der Leinwand dargestellt. Woher kam der Impuls zur Nutzbarmachung dieser Urgewalt?

Teréz Fóthy verwendete im Laufe ihrer künstlerischen Arbeit ausschließlich Jutesäcke. Diese sind in ihrer Heimat Südamerika Teil des wirtschaftlichen Apparates. Sie formen in ihrem Symbolkosmos aber auch das Bindeglied zwischen „dem einfachen Menschen", der mit seinen Händen den groben Rohstoff verarbeitet und der durch keine Ethik gebundene Maschinerie der wirtschaftlichen Nutzung und Ausbeutung des jeweiligen Landes und der Menschen: Die emotionalen Bande sind gerissen. Stoppt den Wahnsinn!, ruft die Künstlerin dem Betrachter in ihrer Performance bildlich zu. Kommt zurück zum Ursprünglichen, zum Wichtigen, zum Essentiellen.

Und nun fordert sie auch: Legt mit Eurer Kleidung die Festlegung ab und tretet durch diese weiß getünchte Leinwand aus Jutesäcken. Traut Euch!

Diesen Appell und seine tatsächliche Umsetzung durch Partizipatorinnen realisiert sie in dem hier zu sehenden Werke. In einer Installation verarbeitet sie eine fotografische Serie von Personen, wie sie sich der Leinwand nähern, wie sie die Leinwand mit ihren Händen bearbeiten und den erneuten Einlass in die Welt „in der Nachahmung einer Geburt" erringen, indem sie sich durch die Leinwand hindurch zwängen und in einer Versinnbildlichung der Sehnsucht, „NEUES" zu schaffen, erleichtert vor ihr heraustreten.

Neben den visuellen Signalen fängt die Künstlerin auch die Energie, die von den Partizipatorinnen ausgeht in ihrer Kameraarbeit auf. Die Performance spielt sich zwischen der sichtbaren Figur und der Künstlerin ab. Übrig bleiben die Leinwände: Die reine weiße Oberfläche nun zerschlissen, Stoffbahnen hängen als Ausdruck der Erschöpfung herab, das Material wölbt sich gegen- und auseinander. Hier steht das Zeugnis der Transformation und des Möglichen.

Steffanie Mallon 2012

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